Frauke Seemann - Schreibstücke



Frauke Seemann wuchs in Moers am Niederrhein auf. Schon als Schülerin interessierte sie sich für Kultur und arbeitete als Statistin und später als Regieassistentin am Schlosstheater Moers. Später studierte sie Ethnologie und Kunst in Berlin, anschließend Deutsch, Kunst und Sport als Lehrfach in Flensburg und schloss dieses Studium mit dem 1. Staatsexamen ab. Darauf aufbauend folgte ein Studium der Bildenden Kunst in Kiel mit dem Diplomabschluss für Freie Malerei.

Seit 1992 lebt und arbeitet Frauke Seemann in Köln als freie Künstlerin. Dort hat sie auch das Künstlerinnen-Netzwerk "Mamaok" mit einer Ausstellungsreihe organisiert.
Sie hat mehrere Stipendien verliehen bekommen: vom Künstlerhaus Schleswig-Holstein, von der Werkstatt Plettenberg und vom Nord-West-Lotto (verbunden mit einem dreimonatigen New-York-Aufenthalt).
Ihre Arbeiten befinden sich in mehreren privaten und öffentlichen Sammlungen.
Wiederholt stellte die Künstlerin in Köln, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Berlin, New York und Brüssel aus. Im Hörfunk wurden einige ihrer Wortbeiträge ausgestrahlt; ebenso erschienen Text- und Bildbeiträge in unterschiedlichen Dokumentationen.

Stark farbige, flächige, fast plakative Formen wie Kreise, Ellipsen, Dreiecke, Rechtecke, Spiralen, Gitterstrukturen, gebogene oder gerade Linien beherrschen die Gemälde von Frauke Seemann. Selten lassen sich figürliche Elemente finden, sie treten hinter den ornamentalen Musterbildungen in breiten Pinselstrichen zurück. Vielmehr lässt die Künstlerin Bruchstücke von geschriebenen Texten - entnommen aus eigenen Tagebuchaufzeichnungen - in ihre Werke auf Leinen, Papier und gemusterten Stoffen einfließen. Sie kombiniert expressiv und kraftvoll gemalte Schriftzeichen mit geometrischen Gestaltungsformen, die aber nie akkurat und steif ausgeführt sind, sondern von einer lebendigen Ungenauigkeit zeugen.

Obwohl Seemanns Gemälde nicht zentralperspektivisch angelegt sind, so bewirkt die Übereinanderlagerung der Formen doch die Schaffung einer Vorder-, Mittel- und Hintergrundebene. Die Komposition der Bilder zeichnet sich durch ein neben- und übereinander geschichtetes Geflecht von Formen aus. Hinzu kommt, dass die Motive oftmals an die Bildränder gerückt sind und somit von diesen angeschnitten werden. Es scheint, als würden sie über die Gemälde hinaus in eine imaginäre Fläche weitergehen.

Die verschiedenen Gestaltungselemente werden zwar gleichrangig eingesetzt, ohne Rangordnung, jedoch sind die Text- und Wortfragmente teilweise so hinter anderen Formen gelagert, dass ihr Sinn verunklärt wird und damit verrätselt erscheint. Frauke Seemann öffnet mit ihren kurzen Textausschnitten einen Spalt zu einer möglichen Geschichte und schickt damit die Phantasie des Betrachters auf Wanderschaft, ohne eine genau festgelegte Richtung vorzugeben.

Somit überzeugen die Gemälde von Frauke Seemann durch ein eigenwilliges Zusammenwirken: Kraftvolle Farben und Formen werden zu einem musterhaften Zusammenspiel kombiniert, geometrisch-abstrakte Elemente treffen sich mit konkreten Wort- und Textfragmenten, Literarisches verbindet sich mit Bildnerischem und entführt den Betrachter in eine ganz eigene Welt.


Frau Liane Heinz M.A., Zweite Vorsitzende des Brühler Kunstvereins, Mai 2002


weiter
zurück
home